MACH'S BLAU 

Cyanotypie als Experiment 

1. WAS HIER PASSIERT 

Cyanotypie ist ein fotografisches Verfahren aus dem 19. Jahrhundert. UV-Licht reduziert Eisen(III)-Salze; mit Kaliumhexacyanoferrat entsteht Berliner Blau. 

Es geht jedoch um mehr als Chemie: um Licht, Zeit und Überraschung. Diese Anleitung ist kein Rezept, sondern ein Vorschlag. 

Nicht alles wissen. Einfach machen. 

2. MATERIALIEN 

Ammoniumeisen(III)-citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III) bilden die Grundlage. Pulver sind trocken praktisch unbegrenzt haltbar. Einzellösungen halten dunkel und kühl mehrere Wochen bis Monate; Part B kann schimmeln, ist meist filtrierbar. Die gemischte Lösung innerhalb von 2–3 Wochen verwenden. 

Papier muss saugfähig sein (nicht gestrichen) und das Wasserbad überstehen. Oberfläche und Stärke beeinflussen die Bildwirkung. 

Baumwolle oder Leinen funktionieren gut, wenn sie unbehandelt sind. Wasserbad ja – Waschmittel nein: Es kann das Blau ausbleichen. 

Der Pinsel ist dein erstes Gestaltungsmittel: ganz oder teilweise bestreichen, offene Ränder, sichtbare Spuren. Unterschiedliche Werkzeuge erzeugen unterschiedliche Handschriften. 

Zwischen Licht und Papier darf alles liegen, was Schatten wirft: Pflanzen, Schablonen, Gegenstände oder digitale Negative (Inkjet auf transparenter Folie). So werden Fotografien als Kontaktkopie übertragen. 

3. LÖSUNG ANSETZEN 

Pulver mit Wasser ansetzen, beide Lösungen 1:1 mischen. 

Sauber arbeiten – ohne Angst. Cyanotypie ist robust; Abweichungen führen oft zu spannenden Resultaten. 

4. BESCHICHTEN 

Lösung gleichmässig oder bewusst partiell auftragen. 

Papier vollständig im Dunkeln trocknen lassen. Indirektes Raumlicht ist meist unproblematisch, direkte Sonne nicht. Getrocknete Bögen können einige Tage lichtgeschützt gelagert werden. 

 

5. LICHT 

Cyanotypie reagiert auf UV-A-Licht (ca. 350–400 nm). 

Klares Sonnenlicht erzeugt scharfe Kanten und deutliche Schatten. Hochnebel macht das Licht weicher. Die Belichtungszeit passt sich an. 

UV-LED-Lampen liefern konstante, wetterunabhängige Bedingungen. Auch Solarium-Röhren eignen sich für grössere Formate. 

6. BELICHTEN 

Negativ oder Objekt direkt auflegen und mit Glas fixieren. Die Fläche wird grau-grünlich. Vor dem Wässern wirkt das Bild leicht überbelichtet – das ist normal. 

7. WÄSSERN & OXIDATION 

5 Minuten in Wasser auswaschen. Das Bild hellt auf und vertieft sich durch Oxidation. Wasserstoffperoxid oder Javelwasser beschleunigt den Prozess – Geduld auch. 

8. BILDWIRKUNG 

Kontrast hängt von Negativdichte oder Transparenz ab. Papier beeinflusst Tiefe und Oberfläche. Pinselspuren sind Teil des Prozesses. 

Perfektion ist nicht das Ziel. Lebendigkeit schon eher. 

9. WENN ETWAS „SCHIEF“ GEHT 

Zu blass? Länger belichten. Zu dunkel? Kürzer. Gelblicher Schleier? Zu wenig gewässert. Flecken? Ungleichmässig beschichtet. 

Oder vielleicht genau richtig.